Simon Neßler

↳ Projekt:
Kulturvandalismus: Schatten der Geschichte

Wir befinden uns seit Jahren im Krieg gegen das Vergessen – ständig erheben sich neue Fanatiker, die ihren abstrusen und fehlgeleiteten Überzeugungen nach unser Kulturerbe vernichten wollen. Es geht ihnen um das ideologische Auslöschen von Gedankengut das in Kulturgütern gespeichert ist.
Was wir in den letzten Jahren des Kultur-Terrors erleben mussten, stellt bei Weitem keine neue »Qualität« dar – vielmehr ist es der Schnelllebigkeit unserer Zeit geschuldet, dass wir längst vergessen haben, was bereits alles hinter uns liegt. Kulturvandalismus ist kein neuzeitliches Phänomen, er ist vielmehr so alt wie die Fähigkeit zur Reflektion und die Vernunftbegabung des Menschen an sich.
Immer schon gab es jede nur erdenkliche Form der Vernichtung von Kulturgut – ob aus niederen Motiven der Rache oder diverseren Beweggründen, wie Machtstreben, religiösem Eifer, Modernisierungsabsichten oder kriegerischer Konflikte …

Meine gestalterische Arbeit ermöglicht es der breiten Öffentlichkeit dem Phänomen der Kulturvernichtung nachzuspüren. In einer Wanderausstellung erkunden und erleben die Besucher die unterschiedlichsten Formen der Zerstörung in fünf kuratierten Touren. Dabei behandelt die Ausstellung in einzelnen Episodenräumen drei Kernaspekte: 1) Der physische Akt der Zerstörung als Ereignis. 2) Die Psychologie der Zerstörung. 3) Die schiere Masse der Zerstörungsakte.
Indem die Besucher einzelne Zerstörungsszenarien durchlaufen, befördert die Ausstellung einen Diskurs und nötigt dem Besucher eine emotionale als auch gedankliche Reaktion ab.
An die Ausstellung wird eine App gekoppelt die den öffentlichen Stadtraum selbst zum erkundbaren Museum transformiert: Hier können Interessierte vergangene Zerstörungsakte, die mit der Geschichte der Stadt direkt verwoben sind, an Ort und Stelle augmentiert erkunden.
Das Buch ist das exklusive Buch zur Ausstellung und fasst die erschreckendsten Beispiele der Vernichtung menschlicher Kultur in einem abgeschlossenen Medium zusammen.

Simon Neßler, Kulturvandalismus: Schatten der Geschichte